Historie der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen a.d.F
von 1878 bis 1978
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Am
16. Mai 1879 hatte die Feuerwehr erstmal Besuch: Landesfeuerwehrlöschinspektor Großmann kam und
äußerte sich recht anerkennend über die Leistungen der jungen Wehr. Aber noch
ein anderes, gewiss genau so aufregendes Ereignis wird aus jener Zeit berichtet:
Der hochwürdige Herr Oberkirchenrat von Schott spendete der Kasse den damals
gewaltigen Betrag von 300,- Mark – die erste
Standarte wurde davon angeschafft. Am 6. Juli 1879 war deshalb ein großes Fest
Ihre „Feuertaufe“, so der damalige Kommandant
Maier, erlebte die Wehr dann am 16. Dezember 1879. Beim Schuster Bolz in der
Seegasse brannte ein Anbau bis auf den Grundstock nieder. Die Wehrmänner mussten
bei 18 Grad minus deshalb zumindest versuchen, das Haupthaus zu retten. Das war
schwer: Alle Leitungen waren eingefroren, und die Spritze musste fortwährend mit
heißem Wasser aufgetaut werden, um sie wieder gebrauchsfähig zu machen. Vier
Jahre blieb Neuhausen von jeglichem Brand verschont; 1881 wurde einmal
„Nachbarschaftshilfe“ in Denkendorf geleistet. 1883 wurden die Wehrmänner wieder
alarmiert; es brannte in der Ziegelhütte Gugel in der
Kirchstraße; die Scheune brannte ab, den größeren Rest konnten die
Floriansjünger vor dem Feuer bewahren. Sie waren freilich auch besser
ausgerüstet als je zuvor. Der Wagnermeister Fuchs hatte eine Anstelleiter
gefertigt und die Gemeinde für ihre Wehr einen Wasserbehälter samt Wagen
angeschafft.
Der „verdienten Feuerwehr“ unterliefen allerdings auch Missgeschicke. Als man zum
Beispiel 1889 nach Wolfschlugen fuhr, wo man bei einem Brand eingreifen sollte,
brach auf dem Verbindungsweg zwischen beiden Dörfern der Steigerwagen zusammen.
1889 musste Karl Kail seinen Kommandantenhut nehmen; das Oberamt bestätigte
seine Wiederwahl nicht. Aus welchen Gründen, ist in der Chronik nicht verraten.
Franz Bauer wird neuer Chef der Pflichtfeuerwehr, die alle Männer im wehrfähigen
Alter an die Spritze rufen kann.
Wehr schon so weit reiche, dass man oft nach auswärts gerufen werde,
weil die Neuhäuser Feuerwehr allgemein als
„tüchtig“ gelte. 1905 vermeldete Fuchs stolz einen Geschwindigkeitsrekord.
Nachdem man per Telefon nach Wolfschlugen gerufen wurde, war man bereits eine
halbe Stunde später auf dem Brandplatz. Damals erhielt die Wehr übrigens ihre
erste, von Hand zu bedienende Saugdruck-Spritze.
Feuerwehr auf freiwilliger Basis zu gründen, auf fruchtbaren Boden. Im November
war es dann so weit. Landesfeuerlöschinspektor Gmehlin kam zu einer Versammlung
in den „Saalbau Fuchs“ und erklärte, was notwendig sei, um wieder den
Status „Freiwillige Feuerwehr“ erhalten zu können. Er forderte 100 Freiwillige,
drei Hydrantenwagen und eine Spritze. Die Technik war
vorhanden und die notwendigen Leute meldeten sich- dazu wurde noch eine
Schiebeleiter, Fabrikat Magirus und Lieb, angeschafft.Indes blieb Fuchs noch, bis er 1911 endgültig mit seinem Adjutanten Walter ausschied. Übrigens nicht, ohne zu vergessen, einen dreifachen Hochruf auf „unseren gnädigsten Landesvater König Wilhelm“ auszubringen. Bei den notwendigen Neuwahlen gab's Schwierigkeiten. Ein Namensvetter des bisherigen Kommandanten, Josef Fuchs, wurde vom Gemeinderat nicht als Wehrführer bestätigt, weil er auswärts wohnte. Bei den darauf folgenden Neuwahlen wurde dann Anton Lang neuer Kommandant, Anton Mayer Stellvertreter. Von der Gemeinde erhielt die neue Wehr die Zusicherung, man werde künftig pro Jahr 100 Mark aus der Kommunalkasse zur Pflege der Kameradschaft zuschießen und ebenfalls 1911 wurde beschlossen, Mitgliedern, die zur Musterung gingen, eine Mark zu spendieren.
Nach wenig ereignisreichen Jahren, traf 1914
die große Politik auch das kleine Dorf Neuhausen.
Der erste Weltkrieg brach aus. Fast alle Mitglieder des Kommandos mussten die
Feuerwehrspritze mit der Waffe vertauschen. Noch im Oktober, kurz nach
Kriegsausbruch, erreichte die Zurückgebliebenen eine Trauernachricht. Die Wehr
hatte ihren ersten Gefallenen, Otto Müller, zu verzeichnen. 1915 wurde dann
beschlossen, den Kameraden im Felde Liebesgabenpakete zu schicken. Ins Feld
musste in diesem Jahr, in dem man auch einen Brand beim Privatier Karl Josef Ruf
in der Kirchstraße zu löschen hatte, auch Kommandant Anton Lang und sein
Adjutant - die führungslose Wehr behalf sich, indem
sich noch einmal das bewährte Gespann Fuchs/Walter kommissarisch als Wehrführer
bestellte, die bereits 17 Jahre an der Spitze gestanden hatten.
In der Heimat ereignete sich
freilich nicht allzu viel und 1917 notierte gar der Wehr-Schriftführer:
„Das Jahr war für die Feuerwehr ein untätiges“. Eine schwere Zeit begann für die
Freiwillige Feuerwehr nach dem Krieg. Auf den Fildern bemerkte man die
politischen und vor allem wirtschaftlichen Folgen - der zurückgekehrte
Kommandant Lang klagte jedenfalls 1919, dass „infolge der Revolution niemand
sich mehr unters Kommando ordnen will“, und dass schleunigst Abhilfe geschaffen
werden müsse. Vom Schultheißenamt kam keine Unterstützung, wie Lang erbittert
vermerkt „und so muss alles beim alten bleiben“. Den Gemeindeoberen war die Wehr
damals zusätzlich gram, weil die erste Besichtigung nach dem Krieg durch den
Feuerlöschinspektor Hornung ohne Vorbereitung stattfinden musste. Kommandant
Lang machte für ein mögliches Misslingen der Schau sofort die Verwaltung
verantwortlich, aber es war dann doch halb so schlimm. Der Wehr gelang eine
Übung, „die in allen Teilen als gelungen zu bezeichnen ist“.
Der Kleinkrieg mit der Kommunalverwaltung ging indes munter weiter. Als ins Gerätehaus neben die Spritze und die Steigleiter der Ortsleichenwagen gestellt wurde, nannte Kommandant Lang dies „einen Unfug“ und protestierte. Schultheiß Haas reagierte jedoch nicht. Im gleichen Jahr drohte Lang mit der Amtsniederlegung und seine Männer mit der Einstellung ihrer Übungen. Ihnen missfiel, dass die Feuerwehrabgabesatzung überhaupt nicht geregelt war, und die Gemeinde Nichtdienende nicht veranlagte. 1921 wurde jedoch mit dem neuen Amtsverweser Volk und dessen Nachfolger, eine Einigung erzielt; es wurden Listen angefertigt, die die Grundlage bildeten, von Nicht-Wehrmännern wieder Zwangsbeträge zu verlangen. Friedlich blieb's freilich nicht: Im selben Jahr schrieb ein Gemeinderat einen Leserbrief im „Filderanzeiger“ und berichtete darin wenig Rühmliches über die Wehr. Diese fröne mehr der Kurzweil als der Brandbekämpfung, lasen die Filderbewohner damals. Das wollten die Wehrmänner nicht auf sich sitzen lassen. In einer turbulenten Feuerwehrversammlung wurde nicht nur die Rücknahme der Vorwürfe verlangt, sondern auch gefordert, der Ratsherr möge der Wehr auch gleich noch 300 Mark als Sühnegeld zukommen lassen. Werde diese Forderung nicht erfüllt, stelle die Freiwillige Feuerwehr ihre Tätigkeit zum l. März 1922 ein.
So kam's dann auch: Weder nahm der nach Ansicht der Feuerwehr lügenhafte Ratsherr seine Anschuldigung zurück, die mittlerweile auch von anderen Männern des Ratsgremiums geteilt wurde, noch wurde die Eintreibung von der Gemeinde ernsthaft betrieben. Am 3. März beurkundete, so zeigt's die Chronik, der Schultheiß die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr und im Juni wurde dann - zum zweitenmal in der Geschichte - wieder eine Pflichtfeuerwehr gegründet. Kommandant wurde Robert Moser, Adjutant Gebhardt Balluff. Die beiden schafften es, dass bald die Atmosphäre wieder ruhiger wurde. Schon am 15. April wurde die Freiwillige Feuerwehr wieder gegründet und die beiden Pflicht-Kommandanten in ihren Ämtern bestätigt.
Der
Feuerwehrfriede war auch notwendig. Immerhin stand
das
50er Jubiläum bevor, das am 1. Juli 1928 mit viel Musik und Begeisterung
gefeiert wurde. Gleichzeitig war auch der Bezirksfeuerwehrtag nach Neuhausen
verlegt worden, und erstmals konnten die Bürger bewundern, was eine moderne Wehr
ausmacht. Die „Weckerlinie Esslingen“ war zu Gast mit ihrer Motorspritze. 1929
verzeichnet die Wehrgeschichte wieder zwei größere Brände.
Am
10. Juli wurde, so heisst's in der Chronik, die Einwohnerschaft in Aufregung
versetzt. Vier Gebäude standen in hellen Flammen. Die Feuerwehr, die die
Weckerlinie Esslingen zu Hilfe holen musste, konnte die Gebäude von Theresia
Lang in der Marktstraße sowie das Wohnhaus und die Scheuer von Friedrich Kranich
nicht retten; lediglich das Haus Mayer 2 wurde gerettet. Wie es zum Brand
gekommen war, konnte man sich schnell zusammenreimen. Es handelte sich offenbar
um Brandstiftung, die freilich endgültig nie aufgeklärt worden ist. Am 16.
Dezember brannte die Scheune vom Badmeister Eisele vollständig ab und die
Feuerwehrleute hatten größte Mühe bei den Löscharbeiten. Das Publikum zeigte, so
hat's der damalige Kommandant Moser notiert, einen argen Mangel an
Hilfsbereitschaft und behinderte die Feuerwehr bei den Löscharbeiten.
In den folgenden Jahren blieb es
ruhig in der Gemeinde. Berichtenswert erschienen den Schriftführern lediglich
Ereignisse, wie die Visitation durch den Feuerlöschinspektor Gänzle oder ein
Feuerwehrball, der am 28. Februar 1928 im „Ochsen“-Saal stattfand.
1936, nach etlichen ruhigen
Jahren, investierte die Gemeinde kräftig in ihre Feuerwehr. Es wurde
nicht nur das neue Gerätemagazin eingeweiht, sondern die Feuerwehr erhielt auch
ihre erste Motorspritze. Auch das Beförderungsproblem wurde geregelt. Der
Unternehmer Anton Eisele wurde verpflichtet, mit seinem Lastkraftwagen die
Spritze und Mannschaft zu befördern.
1937 wurde auch ein neuer
Kommandant gewählt. Albert Maier, der den Titel „Oberbrandmeister“ erhielt. Der
Kommandant befand, dass der Feuerwehr musikalische Unterstützung gut tun würde.
Er beauftragte Eugen Ernst mit dem Aufbau eines Spielmannszuges, für den als
Grundlage
bereits
Hornisten und Tamboure vorhanden waren. Der Spielmannszug wurde bald populär und
gestaltete vor allem nach Kriegsende ein großes Feuerwehrtreffen in Kemnat
(1951). Die Feuerwehr wurde, so wollten's die nationalsozialistischen
Machthaber, wieder einmal umkonstruiert. Sie hieß seit 1940 „Feuerlöschpolizei“
- ein Titel, der freilich im mittlerweile ausgebrochenen Krieg und seinen Wirren
unterging. Der Krieg prägte bald auch die Tätigkeit der Feuerwehr. Immer mehr
Kameraden mussten an die Front und 1940 wurden bereits drei gefallene Wehrmänner
verzeichnet. Die „Hitlerjugend“ wurde, um die Feuerwehr nicht völlig
funktionsunfähig werden zu lassen, für den Dienst mit der Spritze gegen das
Feuer mobilisiert. Eine starke Feuerwehr erwies sich freilich auch als bitter
notwendig.
1942 war der Krieg längst nach Deutschland hereingetragen worden und der Stuttgarter Raum geriet unter den Beschuss der alliierten Streitkräfte. Am 21. November 1942 mussten Neuhausens Wehrmänner nach Echterdingen ausrücken; der Ort brannte nach einem Fliegerangriff. Dazwischen wurde es jedoch wieder ein wenig menschlich. So notiert die Chronik am 17. Januar 1943 einen Kameradschaftsabend, bei dem es ein Essen und Freibier gab, „richtig friedensmäßig“, wie der Schriftführer Ruf erfreut notierte. Abseits vom Kriegsgeschehen brannte es am 29. Januar 1944 in der Bahnhofstraße in Neuhausen. Eine Frau hatte ein Wohnhaus in Brand gesetzt und hernach Selbstmord begangen. Am 21. Februar 1944 musste die Löschtruppe aus Neuhausen nach Stuttgart eilen; der Marktplatz war bombardiert worden, zahlreiche Geschäfte standen in Flammen. Der Einsatz ging den ganzen Tag. Gerettet werden konnte nicht viel.
Am 2. und 3. März 1944 war Neuhausen dran. Über dem Ort wurden viele Bomben abgeworfen, etliche landwirtschaftliche Anwesen brannten, am schlimmsten war die hintere Mühle betroffen. Unter Aufbietung aller Kräfte gelang es schließlich jedoch, die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Der letzte Kriegseinsatz war dann am 15./16. März 1944 in Echterdingen; „Es brannte an allen Ecken und Enden“, vermerkt der Chronist, wobei die Wasserversorgung durch die Zerstörung der Leitungen fast unlösbar war.
Am 24. 8. 1945, nach dem Sturz des Hitler-Regimes, begann auch für die Neuhäuser Feuerwehr eine neue Ära. Die bisherigen Kommandanten Albert Maier und Paul Maier traten aus „geschäftlichen und politischen Gründen“ zurück und die Wehr konstituierte sich neu. Der kommissarische Bürgermeister Hermle eröffnete den Wehrmännern, dass sofort ein neuer Feuerwehrchef zu wählen sei - die Militärregierung verlangte die Einsatzbereitschaft und Erhaltung der Wehren per Gesetz. Gewählt wurde daraufhin zum Oberbrandmeister Otto Fuchs, zu seinem Stellvertreter, Anton Bauer.
1946 stiftete die Firma
Balluff der arg angeschlagenen Wehr, der im Krieg immer wieder viel abgefordert
worden war,
eine
zweite Motorspritze und Schlauchmaterial. Auch der Alltag begann wieder. So traf
man sich im Mai 1948 zu einem Kameradschaftsabend, der für die damalige Zeiten
zu einem kulinarischen Erlebnis wurde. Es gab, dank gespendeter Eier und Mehl,
sowie zusammengeworfener 10 g-Fettmarken, Spätzle mit Soße und Salat. Den Most
brachten die Männer selbst mit. Und ein Jahr zuvor, am 18. Mai 1947, hatte gar im Saalbau bereits eine
große „Frühjahrs-Unterhaltung“ stattgefunden, bei der die Tanzkapelle Erwin
Fuchs und die Spielgruppe der Feuerwehr Musik machten und sich auch der Humorist
Albert Hofele produzierte.
Von größeren Feuern blieb der Ort zu dieser Zeit verschont, jedoch wurde die Neuhäuser Wehr, die neun Kameraden im Krieg verloren hatte, immer wieder zu Großbränden nach auswärts gerufen. Auch geübt wurde fleißig und die Ausrüstung verbessert und erneuert. So wurden unter anderem 52 Mützen angeschafft, die für 1,60 DM Eigentum der Wehrmänner wurden.
1953 erlebte die Wehr wieder
einen Kommandantenwechsel. Otto Fuchs verzog nach Stuttgart und gab sein Amt
deshalb ab. Karl Bolz, bisher bereits Stellvertreter, übernahm die Führung.
1953
hatte die Feuerwehr 75 jährigen Geburtstag. Höhepunkt der Feier war eine
Hauptübung in Anwesenheit von Kreisbrandmeister Ertinger, Landrat Geist und
Bürgermeister Frick. „Gefeschtet“ wurde mit den Ehrengästen anschließend im
„Saalbau“. Zu
diesem
Zeitpunkt zählte die Feuerwehr übrigens 43 Aktive. 1954 übte die Feuerwehr im
großen Rahmen an der Klosterschule und musste dabei feststellen, dass das
Schlauchmaterial in katastrophalem Zustand sei. Abhilfe wurde von der Gemeinde
versprochen (und später auch erfüllt). Am 16. Januar 1955 musste die Feuerwehr
beweisen, dass sie nicht nur im Kampf gegen das Feuer, sondern auch gegen das
nasse Element ihren Mann steht. Bei einer Hochwasserkatastrophe waren zahlreiche
Häuser überflutet und alte Neuhäuser berichteten, dass den Ort noch nie ein so
schlimmes Unwetter heimgesucht habe. Den Wehrmännern gelang es jedoch, durch
Ihren Einsatz „rund um die Uhr“ wenigstens Personenschaden zu vermeiden.
Ein bedeutsamer Tag für die Feuerwehr war dann der 26. Oktober 1956.
Bürgermeister
Frick und Kreisbrandinspektor Ertlinger konnten den Wehrmännern ihr neues
Löschgruppenfahrzeug LF 8 übergeben, das sogleich bei einer Großkreisübung
eingesetzt wurde. Für die Neuhäuser war dies damals übrigens das zweite
Motorfahrzeug. Das erste war 1948 ein Horch-Lastwagen, der als Mannschaftswagen
eingesetzt wurde. Größere Feuer blieben in dieser Zeit aus - obwohl es an
Einsätzen nicht mangelte. So wurden die Wehrleute 1956 zusammengerufen, weil es
im „Ochsen“ brennen sollte. Das war freilich nicht so. Dort hatten sich im
ersten Stock nur deshalb Rauchschwaden entwickelt, weil der Wohnungsinhaber
Kartoffeln in der Pfanne anbrennen ließ.
Zu kurz kommen ließen die Männer während dieser Zeit, in der Krieg und die nachfolgende Notzeit immer mehr in Vergessenheit geriet, aber nicht die Pflege der Kameradschaft. Ausflüge wurden unternommen, am 22. Juni 1958 erstmals mit dem neuen Feuerwehrfahrzeug nach Bünzwangen. Gesorgt wurde auch für die jungen Leute, die zur Bundeswehr einrücken mussten. Aus der Kameradschaftskasse gab's für jeden 30 Mark. 1960 war die Neuhäuser Wehr zu Gast beim 100 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr in Backnang. Der Spielmannszug, dirigiert vom Bürgergarde - Batailloner Willi Balluff spielte bei diesem Fest erstmals unter neuer Regie auf. Wie fest integriert die Feuerwehr schon damals in den Kreisverband war, bewies 1961 die Tatsache, dass Kommandant Bolz als Fahnenträger für die neue Kreisfahne bestimmt wurde, die beim Kreisfeuerwehrtag in Plochingen vom Landkreis übergeben worden war.
1962 hatte die Feuerwehr wieder einen größeren Brandfall zu bestehen. Im Sulzbachtal brannten mehrere Hektar Jungkulturen. Nach einer Stunde gelang es, den Brand einzudämmen. Es zeigte sich freilich, dass das Feuerwehrlöschgruppenfahrzeug LF 8 längst nicht mehr den Anforderungen entsprach, die man an moderne Löschwagen stellte. So wurde 1963 gegenüber dem Gemeinderat und dem Bürgermeister Frick der Wunsch geäußert, die Ausrüstung der Feuerwehr durch die Anschaffung eines Fahrzeuges vom Typ LF 16 und der Erweiterung des Magazins zu verbessern. Dem gaben die Kommunalpolitiker auch statt.
1965
wurde das neue Löschfahrzeug übergeben, für das die Gemeinde hatte 70000,- Mark
investieren müssen. Indes wurde damals immer mehr darauf gedrungen, für die
recht groß gewordene Gemeinde doch bald ein modernes Alarmsystem zu installieren
- die Sirene erwies sich als nicht zweckmäßig.
Während
die Feuerwehr 1967 ihre lang erwartete 18 Meter hohe Maschinenleiter erhielt,
musste sie auf die im selben Jahr angekündigten Feuermelde-Alarmeinrichtungen
recht lange warten. Erst 1971 wurden die UKW-Meldeempfänger bei den Neuhäuser
Wehrmännern eingeführt.
Einer der größten Einsätze fiel in das Jahr 1967. Auf der Autobahn, unweit von Neuhausen, war am 31. Mai ein englischer Reisebus verunglückt. Zwölf Tote und 30 Verletzte hatte der Unfall gefordert, bei dem die Neuhäuser Wehr einen großen Teil der Rettungsarbeiten tragen musste. Vom damaligen englischen Botschafter in Bonn, Sir Frank Roberts, wurde bei der Dankfeier in Esslingen betont, der Einsatz sei weit über das „Selbstverständliche“ hinausgegangen. Verbessert wurde auch der Kenntnisstand der Feuerwehrmänner. Dies dokumentierte sich erstmals am 1. Juli 1967 beim Kreisfeuerwehrtag in Deizisau erfolgreich an einem Leistungswettkampf. 1968 lebte übrigens ein altes Feuerwehrproblem, das schon in den 20er Jahren für viele Diskussionen und schließlich gar für die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr gesorgt hatte, wieder auf. Bei einer Versammlung, am 11. Mai, war „Feuer unter dem Dach“, nachdem die Gemeinde ihre Absicht bekundet hatte, die Feuerwehrabgabe abzuschaffen. Das Problem konnte dann später gelöst werden.
Am 17. August 1969 zeigte sich,
wie notwendig die Umstellung auf ein modernes Alarmsystem war.Bei einem
Großbrand auf dem Aussiedlerhof von Hugo Müller - es entstand 100000 Mark
Schaden - fiel die Sirene aus, eine „peinliche Sache“, wie damals Kommandant
Bolz meinte.
Abhilfe
wurde dann 1971 mit der Anschaffung der neuen Meldeempfänger geschaffen. 1969 am
11. Oktober konnten die Feuerwehrkameraden erstmals im eigenen Haus feiern. Das
neue Feuerwehrheim war fertig geworden und wurde festlich eingeweiht. Zu drei
großen Bränden musste die Feuerwehr 1971 ausrücken. Es brannte im Horber Wald,
Hochwasser trat auf und im Anwesen Rank brannte die Scheune ab.
Im Frühjahr 1972 brannte dann das sogenannte „Braune Haus“, wobei sich arge Misslichkeiten zeigten. Die Maschinenleiter war zum einen beschädigt und konnte zum anderen aus Platzgründen nicht im Magazin untergebracht werden. Bei einem Gespräch mit der Gemeindeverwaltung wurde deshalb lebhafte Kritik an der „mangelhaften Unterbringung“ der Maschinenleiter geäußert. Gleichwohl war die Atmosphäre längst nicht mehr so geladen wie bei den Vätern - die Feuerwehrmänner gingen zum Alltag über. So wurde am 2. März 1973 in der Faschingshochburg Neuhausen, der erste Kappenabend im Feuerwehrheim gefeiert - 45 Aktive sind übrigens zu dieser Zeit in der Wehrstatistik verzeichnet.
Geübt wird 1973 bei der Firma Stahl, wo Kreisbrandmeister Spieth die unzureichende Wasserversorgung bemängelt, eine Tatsache, die später einmal große Bedeutung erhalten sollte.1973 brannte auch ein Wohnhaus in der Esslinger Straße ab. Es entstand ein Sachschaden von 150.000 Mark. Am 15. Februar 1975 ist die „Ära Bolz“ zu Ende. 40 Jahre ist Karl Bolz im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen gestanden davon 27 Jahre als Kommandant. (Die übrigen Wehrführer, insgesamt 9, teilen sich die restlichen 73 Jahre der Wehrgeschichte). Kreisbrandmeister Spieth würdigte seine Leistung für die Sache der Feuerwehr und sichtbar wurde dies auch darin, dass Bolz zum Ehrenkommandanten ernannt wurde. Von de Wehr wurde Alfred Lang als Kommandant und Helmut Fay als Stellvertreter gewählt. Im Mai 1975 konnten sich dann bei einem ersten „Tag der offenen Tür“ die Bürger der Gemeinde davon überzeugen, was die Feuerwehr auszeichnet.
Am 26. Februar 1976 erlebte die Wehr dann ihre größte Bewährungsprobe. Das in die
Deutsche Brandgeschichte eingegangene Großfeuer auf dem Gelände der Firma
Thyssen-Stahl-Aufzüge wütete über Stunden. Aber die Wehrmänner aus Neuhausen
sowie zahlreiche Wehren aus dem Umkreis schafften es dennoch, den Brand
einzugrenzen. Behindert wurde man dabei von den widrigen Wasserverhältnissen;
der Wasserdruck aus dem Hydranten, der auf dem Firmengelände installiert ist,
erwies sich als zu gering. Das Löschwasser wurde deshalb hauptsächlich aus dem
Fleinsbach bezogen. Nach rund 5 Stunden war der Großbrand jedoch unter
Kontrolle. Der Schaden belief sich auf 60 Millionen Mark. Bei der
Hauptversammlung der Feuerwehr, kurz nach dem „Stahl-Großbrand", konnten die
Wehrmänner erstmals den neuen Bürgermeister Werner Präg begrüßen.
Und der „Schultes“ führte sich
auch gleich gut ein. Er bestätigte den Wehrmännern, dass zur optimalen
Brandbekämpfung auf eine bessere Ausstattung der Wehr nicht verzichtet werden
könne. Bei der Sitzung wurde auch konkret angepeilt, wie die Neuhäuser Wehr
stärker gemacht werden könne. Es wurde die Anschaffung eines TLF 16
vorgeschlagen. Dabei ist es erfreulicherweise nicht geblieben. Im Jahr des 100
jährigen Jubiläums (1978) hat die Wehr nicht nur dieses große
Tanklöschfahrzeug erhalten, das bis heute noch im Dienst ist, sondern dazu auch
einen VW-Bus als Mannschaftswagen . Immerhin hat sich bereits bestätigt, wie
notwendig es ist, über eine gute Ausrüstung zu verfügen. In den vergangenen zwei
Jahren musste die Wehr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, angefangen von einem
Klassenzimmerbrand in der Mozartschule kurz vor Weihnachten 1976 über Einsätze
bei Großunfällen auf der Autobahn bis hin zu einem Wohnhausbrand im November
1977 in der Wagnerstraße.
Im März 1977 fiel im Ausschuss erstmals das Wort "Vandans". Durch gute Kontakte von Kommandant Alfred Lang zu den Führungskräften der Feuerwehr des kleinen Ortes Vandans im Montafon in Österreich wurde angeregt, man könne doch eine Art "Partnerschaft" mit der dortigen Wehr eingehen. Nicht nur die Ausschussmitglieder waren von diesem Gedanken begeistert. Somit wurde beschlossen, die gesamte Feuerwehr von Vandans zum 100 jährigen Jubiläum einzuladen.
Das Jahr 1978 war ein ganz
besonderes Jahr für die Feuerwehr. Denn es wurde von 5.8. - 7.8. das 100 jährige
Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen gefeiert. Nach fast einem
Jahr Vorbereitungszeit wurde dann am Mittwoch den 2. 8. das Festzelt auf dem
Festplatz aufgebaut und in den nachfolgenden Tagen eingerichtet. Die ersten
Gäste, die am Samstag 5.8. eintrafen, waren die Feuerwehrkameraden aus Vandans
mit ihren Partnern. Zum Festauftakt wurde dann das neue TLF 16 und der VW
Mannschaftstransportwagen von Bürgermeister Werner Präg an die Wehr übergeben.
Nach der Übergabe wurde das neue Fahrzeug sogleich bei einer Schauübung im
"Einsatz" gezeigt. Am Abend wurde durch den Spielmannszug ein bunter Abend unter
dem Moto "Wasser marsch" eröffnet, bei dem die örtlichen Vereine ihr Geschick im
Umgang mit dem nassen Element unter beweis stellen durften. Am Sonntag wurde bei
einem Feldgottesdienst auch dien neue Fahne der Feuerwehr eingeweiht. Am
Nachmittag gab des dann einen großen Festzug durch die Straßen von Neuhausen. Am
Sonntagabend wurden die zahlreichen Gäste dann von der Stimmungskapelle Kurt Rau
prächtig unterhalten. Am Montag heiß es dann nochmals "Wasser marsch" denn
Petrus hatte seine Himmelsschleusen geöffnet und das im Stadion geplante
Kinderfest musste kurzerhand in das Festzelt verlegt werden. Den Festausklang
bildete ein Bunter Abend mit vielen bekannten Künstlern.