Historie der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen a.d.F
von 1878 bis 1978

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Als am 22. Oktober 1878 30 Männer in den Neuhausener Rathaussaal kamen, um ihre Bereitschaft an zuzeigen, bei der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen, war das keine Pioniertat: Längst gab es im Umkreis Freiwillige Wehren, während die Neuhausener im Brandfall darauf vertrauen mussten, dass es gelinge, die „Pflichtigen“ Wehrmänner auch wirklich zusammenzutrommeln. Diesen unbefriedigenden Zustand erkannten nicht nur der damalige Bezirksfeuerlöschinspektor sondern auch Bürger der Gemeinde: Schultheiß Gustav Beron konnte im Verein mit Oberlehrer Grimm, dem Kaufmann Balluff und dem Baurat Fischer etliche Männer überzeugen, dass es allemal besser und ehrenvoller sei, freiwillig zur Spritze zu greifen, als jedes Mal das Risiko einzugehen, dass die Brandbekämpfung schon daran scheiterte, dass kein „Pflichtiger“ aufzutreiben war. Jedenfalls: Alle 30 Erschienenen, so verzeichnet die erst im nachhinein, im Jahre 1905 angelegte Chronik, traten spontan in die Feuerwehr ein. Als Kommandant wählten sie den Maurermeister Josef Maier, ein Mann, der durch seinen Beruf prädestiniert für den Posten war.

Im ersten Führungskader der Freiwilligen Feuerwehr waren außerdem vertreten: Der Zimmermeister Maier, der Hirschwirt Kail, der Rößleswirt Fritton, Josef Fuchs und der Lehrer Nieder. Ein wichtiger Posten war auch der des Hornisten, von denen in der mit wenig Systematik geschriebenen Feuerwehrchronik der Bockwirt Schmid genannt ist. Als die Personalien geklärt waren, begann die Feuerwehr mit dem, was ihr damals offenbar als wichtige Voraussetzung für den Kampf gegen den „Roten Hahn“ erschien: Es wurde exerziert. Das klappte wunschgemäß, wenn auch der damalige Chronist tadelnd vermerkt, dass es in den Reihen der Wehr Leute gäbe, „die sich keiner Disziplin fügen wollen“. Aber auch für die Ausstattung wurde etwas getan: Eine Spritze, übernommen von der Pflichtfeuerwehr war schon da; dazu wurde eine zweite erworben und örtliche Handwerksmeister fertigten Hilfsgeräte. Am 16. Mai 1879 hatte die Feuerwehr erstmal Besuch: Landesfeuerwehrlöschinspektor Großmann kam und äußerte sich recht anerkennend über die Leistungen der jungen Wehr. Aber noch ein anderes, gewiss genau so aufregendes Ereignis wird aus jener Zeit berichtet: Der hochwürdige Herr Oberkirchenrat von Schott spendete der Kasse den damals gewaltigen Betrag von 300,- Mark – die erste Standarte wurde davon angeschafft. Am 6. Juli 1879 war deshalb ein großes Fest
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Ihre „Feuertaufe“, so der damalige Kommandant Maier, erlebte die Wehr dann am 16. Dezember 1879. Beim Schuster Bolz in der Seegasse brannte ein Anbau bis auf den Grundstock nieder. Die Wehrmänner mussten bei 18 Grad minus deshalb zumindest versuchen, das Haupthaus zu retten. Das war schwer: Alle Leitungen waren eingefroren, und die Spritze musste fortwährend mit heißem Wasser aufgetaut werden, um sie wieder gebrauchsfähig zu machen. Vier Jahre blieb Neuhausen von jeglichem Brand verschont; 1881 wurde einmal „Nachbarschaftshilfe“ in Denkendorf geleistet. 1883 wurden die Wehrmänner wieder alarmiert; es brannte in der Ziegelhütte Gugel in der Kirchstraße; die Scheune brannte ab, den größeren Rest konnten die Floriansjünger vor dem Feuer bewahren. Sie waren freilich auch besser ausgerüstet als je zuvor. Der Wagnermeister Fuchs hatte eine Anstelleiter gefertigt und die Gemeinde für ihre Wehr einen Wasserbehälter samt Wagen angeschafft.

1884 kam es zum ersten Kommandowechsel. Nach dem Besuch des Feuerwehrtags in Heilbronn legten Kommandant Maier, sein Adjutant Fuchs und der Steigerleutnant Preißer ihre Ämter nieder. Die Feuerwehr - wahlberechtigt war damals nur die Führungsgruppe der Zugführer - verpflichtete Karl Kail als neuen Kommandanten und als dessen Stellvertreter, Christian Walter.

Die Wahl erwies sich bald als überflüssig: der württembergische König verfügte, die eben überall gegründeten Freiwilligen Feuerwehren wieder abzuschaffen und statt dessen Pflichtfeuerwehren einzurichten. Dies geschah natürlich auch in Neuhausen - der majestätischen Weisung, ob weise oder nicht, mochte sich niemand entgegenstellen. Indes blieb die freiwillige Steigerabteilung erhalten, wohl auch, weil man sicher ahnte, dass ein „Pflichtmann“ sich gewiss davor drücken würde, sein Leben in unmittelbarer Nähe eines Feuers auf der hohen Leiter zu riskieren. Karl Kail blieb Kommandant. Er war es auch, unter dessen Führung die Wehr vom königlichen Ministerium öffentlich belobigt wurde.

Ausgerechnet die Neuhäuser waren's nämlich,die bei einem Großbrand 1887 in Scharnhausen als erste am Brandplatz waren. Im selben Jahr, am 17. September, wurde dann noch einmal alles von den Spritzenmännern abverlangt. Die Doppelscheuer vom Bauer Lang und der Farrenstall brannten fast 24 Stunden lang und ebenso lange war die Wehr am Brandplatz, was Kommandant Kail zur Bemerkung veranlasste, dass sich die „Feuerwehr hier ihren Namen verdient hat“.

Der „verdienten Feuerwehr“ unterliefen allerdings auch Missgeschicke. Als man zum Beispiel 1889 nach Wolfschlugen fuhr, wo man bei einem Brand eingreifen sollte, brach auf dem Verbindungsweg zwischen beiden Dörfern der Steigerwagen zusammen. 1889 musste Karl Kail seinen Kommandantenhut nehmen; das Oberamt bestätigte seine Wiederwahl nicht. Aus welchen Gründen, ist in der Chronik nicht verraten. Franz Bauer wird neuer Chef der Pflichtfeuerwehr, die alle Männer im wehrfähigen Alter an die Spritze rufen kann.
 

Aber auch Bauer blieb nicht lange - er wurde schon 1894 durch den Schreiner Josef Fuchs abgelöst. 1903, zum 25 jährigen Bestehen konnte dieser immerhin feststellen, dass der Ruf der Wehr schon so weit reiche, dass man oft nach auswärts gerufen werde, weil die Neuhäuser Feuerwehr allgemein als „tüchtig“ gelte. 1905 vermeldete Fuchs stolz einen Geschwindigkeitsrekord. Nachdem man per Telefon nach Wolfschlugen gerufen wurde, war man bereits eine halbe Stunde später auf dem Brandplatz. Damals erhielt die Wehr übrigens ihre erste, von Hand zu bedienende Saugdruck-Spritze.
 

1906 war ein wichtiges Jahr für die Feuerwehr. Es galt zum einen, einen großen Brand im Dachstock des Anwesens von Josef Herzog zu löschen, zum anderen begann in Neuhausen die „moderne Zeit“. Der Gemeinderat entschloss sich zum Bau einer Wasserleitung, ein Umstand, der für das Feuerlöschwesen geradezu eine Revolution bedeutete. Bisher musste man entweder darauf vertrauen, dass es in der Nähe eines Bachs brannte, oder das Löschwasser musste höchst umständlich in Bottichen herantransportiert werden. Jetzt übten die Wehrmänner an Hydranten und als 1906 der Feuerwehrinspektor Blessing in den Ort kam, fiel seine Anregung, doch wieder die Feuerwehr auf freiwilliger Basis zu gründen, auf fruchtbaren Boden. Im November war es dann so weit. Landesfeuerlöschinspektor Gmehlin kam zu einer Versammlung in den „Saalbau Fuchs“ und erklärte, was notwendig sei, um wieder den Status „Freiwillige Feuerwehr“ erhalten zu können. Er forderte 100 Freiwillige, drei Hydrantenwagen und eine Spritze. Die Technik war vorhanden und die notwendigen Leute meldeten sich- dazu wurde noch eine Schiebeleiter, Fabrikat Magirus und Lieb, angeschafft.
 

Die neue Freiwillige Feuerwehr wurde am 14. April 1907 offiziell eingetragen und als Kommandant fungierte weiter Josef Fuchs, und Christian Walter blieb Adjutant. Schon 1908 konnte Fuchs vermelden, dass „unsere Feuerwehr gut ausgerüstet dasteht“. Dazu gehörte nicht nur die Anschaffung von 35 neuen Uniformröcken, sondern auch der Umstand, dass wegen des entlegenen Spritzenhauses im Ort, drei Hydrantenstationen gebaut wurden, um schnell eine Brandstelle erreichen zu können. 1909 zeigte dann der Kommandant Fuchs Rücktrittsabsichten; seinen Wehrmännern vertraute er an, dass 25 Jahre Feuerwehrdienst und 16 Jahre Kommandantentätigkeit doch wohl lange genug seien.

Indes blieb Fuchs noch, bis er 1911 endgültig mit seinem Adjutanten Walter ausschied. Übrigens nicht, ohne zu vergessen, einen dreifachen Hochruf auf „unseren gnädigsten Landesvater König Wilhelm“ auszubringen. Bei den notwendigen Neuwahlen gab's Schwierigkeiten. Ein Namensvetter des bisherigen Kommandanten, Josef Fuchs, wurde vom Gemeinderat nicht als Wehrführer bestätigt, weil er auswärts wohnte. Bei den darauf folgenden Neuwahlen wurde dann Anton Lang neuer Kommandant, Anton Mayer Stellvertreter. Von der Gemeinde erhielt die neue Wehr die Zusicherung, man werde künftig pro Jahr 100 Mark aus der Kommunalkasse zur Pflege der Kameradschaft zuschießen und ebenfalls 1911 wurde beschlossen, Mitgliedern, die zur Musterung gingen, eine Mark zu spendieren.

Nach wenig ereignisreichen Jahren, traf 1914 die große Politik auch das kleine Dorf Neuhausen. Der erste Weltkrieg brach aus. Fast alle Mitglieder des Kommandos mussten die Feuerwehrspritze mit der Waffe vertauschen. Noch im Oktober, kurz nach Kriegsausbruch, erreichte die Zurückgebliebenen eine Trauernachricht. Die Wehr hatte ihren ersten Gefallenen, Otto Müller, zu verzeichnen. 1915 wurde dann beschlossen, den Kameraden im Felde Liebesgabenpakete zu schicken. Ins Feld musste in diesem Jahr, in dem man auch einen Brand beim Privatier Karl Josef Ruf in der Kirchstraße zu löschen hatte, auch Kommandant Anton Lang und sein Adjutant - die führungslose Wehr behalf sich, indem sich noch einmal das bewährte Gespann Fuchs/Walter kommissarisch als Wehrführer bestellte, die bereits 17 Jahre an der Spitze gestanden hatten.

In der Heimat ereignete sich freilich nicht allzu viel und 1917 notierte gar der Wehr-Schriftführer: „Das Jahr war für die Feuerwehr ein untätiges“. Eine schwere Zeit begann für die Freiwillige Feuerwehr nach dem Krieg. Auf den Fildern bemerkte man die politischen und vor allem wirtschaftlichen Folgen - der zurückgekehrte Kommandant Lang klagte jedenfalls 1919, dass „infolge der Revolution niemand sich mehr unters Kommando ordnen will“, und dass schleunigst Abhilfe geschaffen werden müsse. Vom Schultheißenamt kam keine Unterstützung, wie Lang erbittert vermerkt „und so muss alles beim alten bleiben“. Den Gemeindeoberen war die Wehr damals zusätzlich gram, weil die erste Besichtigung nach dem Krieg durch den Feuerlöschinspektor Hornung ohne Vorbereitung stattfinden musste. Kommandant Lang machte für ein mögliches Misslingen der Schau sofort die Verwaltung verantwortlich, aber es war dann doch halb so schlimm. Der Wehr gelang eine Übung, „die in allen Teilen als gelungen zu bezeichnen ist“.

Der Kleinkrieg mit der Kommunalverwaltung ging indes munter weiter. Als ins Gerätehaus neben die Spritze und die Steigleiter  der  Ortsleichenwagen  gestellt wurde,  nannte Kommandant Lang dies „einen Unfug“ und protestierte. Schultheiß Haas reagierte jedoch nicht. Im gleichen Jahr drohte Lang mit der Amtsniederlegung und seine Männer mit der Einstellung ihrer Übungen. Ihnen missfiel, dass die Feuerwehrabgabesatzung überhaupt nicht geregelt war, und die Gemeinde Nichtdienende nicht veranlagte. 1921 wurde jedoch mit dem neuen Amtsverweser Volk und dessen Nachfolger, eine Einigung erzielt; es wurden Listen angefertigt, die die Grundlage bildeten, von Nicht-Wehrmännern wieder Zwangsbeträge zu verlangen. Friedlich blieb's freilich nicht: Im selben Jahr schrieb ein Gemeinderat einen Leserbrief im „Filderanzeiger“ und berichtete darin wenig Rühmliches über die Wehr. Diese fröne mehr der Kurzweil als der Brandbekämpfung, lasen die Filderbewohner damals. Das wollten die Wehrmänner nicht auf sich sitzen lassen. In einer turbulenten Feuerwehrversammlung wurde nicht nur die Rücknahme der Vorwürfe verlangt, sondern auch gefordert, der Ratsherr möge der Wehr auch gleich noch 300 Mark als Sühnegeld zukommen lassen. Werde diese Forderung nicht erfüllt, stelle die Freiwillige Feuerwehr ihre Tätigkeit zum l. März 1922 ein.

So kam's dann auch: Weder nahm der nach Ansicht der Feuerwehr lügenhafte Ratsherr seine Anschuldigung zurück, die mittlerweile auch von anderen Männern des Ratsgremiums geteilt wurde, noch wurde die Eintreibung von der Gemeinde ernsthaft betrieben. Am 3. März beurkundete, so zeigt's die Chronik, der Schultheiß die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr und im Juni wurde dann - zum zweitenmal in der Geschichte - wieder eine Pflichtfeuerwehr gegründet. Kommandant wurde Robert Moser, Adjutant Gebhardt Balluff. Die beiden schafften es, dass bald die Atmosphäre wieder ruhiger wurde. Schon am 15. April wurde die Freiwillige Feuerwehr wieder gegründet und die beiden Pflicht-Kommandanten in ihren Ämtern bestätigt.

Der Feuerwehrfriede war auch notwendig. Immerhin stand das 50er Jubiläum bevor, das am 1. Juli 1928 mit viel Musik und Begeisterung gefeiert wurde. Gleichzeitig war auch der Bezirksfeuerwehrtag nach Neuhausen verlegt worden, und erstmals konnten die Bürger bewundern, was eine moderne Wehr ausmacht. Die „Weckerlinie Esslingen“ war zu Gast mit ihrer Motorspritze. 1929 verzeichnet die Wehrgeschichte wieder zwei größere Brände. Am 10. Juli wurde, so heisst's in der Chronik, die Einwohnerschaft in Aufregung versetzt. Vier Gebäude standen in hellen Flammen. Die Feuerwehr, die die Weckerlinie Esslingen zu Hilfe holen musste, konnte die Gebäude von Theresia Lang in der Marktstraße sowie das Wohnhaus und die Scheuer von Friedrich Kranich nicht retten; lediglich das Haus Mayer 2 wurde gerettet. Wie es zum Brand gekommen war, konnte man sich schnell zusammenreimen. Es handelte sich offenbar um Brandstiftung, die freilich endgültig nie aufgeklärt worden ist. Am 16. Dezember brannte die Scheune vom Badmeister Eisele vollständig ab und die Feuerwehrleute hatten größte Mühe bei den Löscharbeiten. Das Publikum zeigte, so hat's der damalige Kommandant Moser notiert, einen argen Mangel an Hilfsbereitschaft und behinderte die Feuerwehr bei den Löscharbeiten.

In den folgenden Jahren blieb es ruhig in der Gemeinde. Berichtenswert erschienen den Schriftführern lediglich Ereignisse, wie die Visitation durch den Feuerlöschinspektor Gänzle oder ein Feuerwehrball, der am 28. Februar 1928 im „Ochsen“-Saal stattfand. 1936, nach etlichen ruhigen Jahren, investierte die Gemeinde kräftig in ihre Feuerwehr. Es wurde nicht nur das neue Gerätemagazin eingeweiht, sondern die Feuerwehr erhielt auch ihre erste Motorspritze. Auch das Beförderungsproblem wurde geregelt. Der Unternehmer Anton Eisele wurde verpflichtet, mit seinem Lastkraftwagen die Spritze und Mannschaft zu befördern.

1937 wurde auch ein neuer Kommandant gewählt. Albert Maier, der den Titel „Oberbrandmeister“ erhielt. Der Kommandant befand, dass der Feuerwehr musikalische Unterstützung gut tun würde. Er beauftragte Eugen Ernst mit dem Aufbau eines Spielmannszuges, für den als Grundlage bereits Hornisten und Tamboure vorhanden waren. Der Spielmannszug wurde bald populär und gestaltete vor allem nach Kriegsende ein großes Feuerwehrtreffen in Kemnat (1951). Die Feuerwehr wurde, so wollten's die nationalsozialistischen Machthaber, wieder einmal umkonstruiert. Sie hieß seit 1940 „Feuerlöschpolizei“ - ein Titel, der freilich im mittlerweile ausgebrochenen Krieg und seinen Wirren unterging. Der Krieg prägte bald auch die Tätigkeit der Feuerwehr. Immer mehr Kameraden mussten an die Front und 1940 wurden bereits drei gefallene Wehrmänner verzeichnet. Die „Hitlerjugend“ wurde, um die Feuerwehr nicht völlig funktionsunfähig werden zu lassen, für den Dienst mit der Spritze gegen das Feuer mobilisiert. Eine starke Feuerwehr erwies sich freilich auch als bitter notwendig.

1942 war der Krieg längst nach Deutschland hereingetragen worden und der Stuttgarter Raum geriet unter den Beschuss der alliierten Streitkräfte. Am 21. November 1942 mussten Neuhausens Wehrmänner nach Echterdingen ausrücken; der Ort brannte nach einem Fliegerangriff. Dazwischen wurde es jedoch wieder ein wenig menschlich. So notiert die Chronik am 17. Januar 1943 einen Kameradschaftsabend, bei dem es ein Essen und Freibier gab, „richtig friedensmäßig“, wie der Schriftführer Ruf erfreut notierte. Abseits vom Kriegsgeschehen brannte es am 29. Januar 1944 in der Bahnhofstraße in Neuhausen. Eine Frau hatte ein Wohnhaus in Brand gesetzt und hernach Selbstmord begangen. Am 21. Februar 1944 musste die Löschtruppe aus Neuhausen nach Stuttgart eilen; der Marktplatz war bombardiert worden, zahlreiche Geschäfte standen in Flammen. Der Einsatz ging den ganzen Tag. Gerettet werden konnte nicht viel.

Am 2. und 3. März 1944 war Neuhausen dran. Über dem Ort wurden viele Bomben abgeworfen, etliche landwirtschaftliche Anwesen brannten, am schlimmsten war die hintere Mühle betroffen. Unter Aufbietung aller Kräfte gelang es schließlich jedoch, die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Der letzte Kriegseinsatz war dann am 15./16. März 1944 in Echterdingen; „Es brannte an allen Ecken und Enden“, vermerkt der Chronist, wobei die Wasserversorgung durch die Zerstörung der Leitungen fast unlösbar war.

Am 24. 8. 1945, nach dem Sturz des Hitler-Regimes, begann auch für die Neuhäuser Feuerwehr eine neue Ära. Die bisherigen Kommandanten Albert Maier und Paul Maier traten aus „geschäftlichen und politischen Gründen“ zurück und die Wehr konstituierte sich neu. Der kommissarische Bürgermeister Hermle eröffnete den Wehrmännern, dass sofort ein neuer Feuerwehrchef zu wählen sei - die Militärregierung verlangte die Einsatzbereitschaft und Erhaltung der Wehren per Gesetz. Gewählt wurde daraufhin zum Oberbrandmeister Otto Fuchs, zu seinem Stellvertreter, Anton Bauer.  

1946 stiftete die Firma Balluff der arg angeschlagenen Wehr, der im Krieg immer wieder viel abgefordert worden war, eine zweite Motorspritze und Schlauchmaterial. Auch der Alltag begann wieder. So traf man sich im Mai 1948 zu einem Kameradschaftsabend, der für die damalige Zeiten zu einem kulinarischen Erlebnis wurde. Es gab, dank gespendeter Eier und Mehl, sowie zusammengeworfener 10 g-Fettmarken, Spätzle mit Soße und Salat. Den Most brachten die Männer selbst mit. Und ein Jahr zuvor, am 18. Mai 1947, hatte gar im Saalbau bereits eine große „Frühjahrs-Unterhaltung“ stattgefunden, bei der die Tanzkapelle Erwin Fuchs und die Spielgruppe der Feuerwehr Musik machten und sich auch der Humorist Albert Hofele produzierte.

 Von größeren Feuern blieb der Ort zu dieser Zeit verschont, jedoch wurde die Neuhäuser Wehr, die neun Kameraden im Krieg verloren hatte, immer wieder zu Großbränden nach auswärts gerufen. Auch geübt wurde fleißig und die Ausrüstung verbessert und erneuert. So wurden unter anderem 52 Mützen angeschafft, die für 1,60 DM Eigentum der Wehrmänner wurden.

1953 erlebte die Wehr wieder einen Kommandantenwechsel. Otto Fuchs verzog nach Stuttgart und gab sein Amt deshalb ab. Karl Bolz, bisher bereits Stellvertreter, übernahm die Führung. 1953 hatte die Feuerwehr 75 jährigen Geburtstag. Höhepunkt der Feier war eine Hauptübung in Anwesenheit von Kreisbrandmeister Ertinger, Landrat Geist und Bürgermeister Frick. „Gefeschtet“ wurde mit den Ehrengästen anschließend im „Saalbau“. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Feuerwehr übrigens 43 Aktive. 1954 übte die Feuerwehr im großen Rahmen an der Klosterschule und musste dabei feststellen, dass das Schlauchmaterial in katastrophalem Zustand sei. Abhilfe wurde von der Gemeinde versprochen (und später auch erfüllt). Am 16. Januar 1955 musste die Feuerwehr beweisen, dass sie nicht nur im Kampf gegen das Feuer, sondern auch gegen das nasse Element ihren Mann steht. Bei einer Hochwasserkatastrophe waren zahlreiche Häuser überflutet und alte Neuhäuser berichteten, dass den Ort noch nie ein so schlimmes Unwetter heimgesucht habe. Den Wehrmännern gelang es jedoch, durch Ihren Einsatz „rund um die Uhr“ wenigstens Personenschaden zu vermeiden.

Ein bedeutsamer Tag für die Feuerwehr war dann der 26. Oktober 1956. Bürgermeister Frick und Kreisbrandinspektor Ertlinger konnten den Wehrmännern ihr neues Löschgruppenfahrzeug LF 8 übergeben, das sogleich bei einer Großkreisübung eingesetzt wurde. Für die Neuhäuser war dies damals übrigens das zweite Motorfahrzeug. Das erste war 1948 ein Horch-Lastwagen, der als Mannschaftswagen eingesetzt wurde. Größere Feuer blieben in dieser Zeit aus - obwohl es an Einsätzen nicht mangelte. So wurden die Wehrleute 1956 zusammengerufen, weil es im „Ochsen“ brennen sollte. Das war freilich nicht so. Dort hatten sich im ersten Stock nur deshalb Rauchschwaden entwickelt, weil der Wohnungsinhaber Kartoffeln in der Pfanne anbrennen ließ.

Zu kurz kommen ließen die Männer während dieser Zeit, in der Krieg und die nachfolgende Notzeit immer mehr in Vergessenheit geriet, aber nicht die Pflege der Kameradschaft. Ausflüge wurden unternommen, am 22. Juni 1958 erstmals mit dem neuen Feuerwehrfahrzeug nach Bünzwangen. Gesorgt wurde auch für die jungen Leute, die zur Bundeswehr einrücken mussten. Aus der Kameradschaftskasse gab's für jeden 30 Mark. 1960 war die Neuhäuser Wehr zu Gast beim 100 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr in Backnang. Der Spielmannszug, dirigiert vom Bürgergarde - Batailloner Willi Balluff spielte bei diesem Fest erstmals unter neuer Regie auf. Wie fest integriert die Feuerwehr schon damals in den Kreisverband war, bewies 1961 die Tatsache, dass Kommandant Bolz als Fahnenträger für die neue Kreisfahne bestimmt wurde, die beim Kreisfeuerwehrtag in Plochingen vom Landkreis übergeben worden war.

1962 hatte die Feuerwehr wieder einen größeren Brandfall zu bestehen. Im Sulzbachtal brannten mehrere Hektar Jungkulturen. Nach einer Stunde gelang es, den Brand einzudämmen. Es zeigte sich freilich, dass das Feuerwehrlöschgruppenfahrzeug LF 8 längst nicht mehr den Anforderungen entsprach, die man an moderne Löschwagen stellte. So wurde 1963 gegenüber dem Gemeinderat und dem Bürgermeister Frick der Wunsch geäußert, die Ausrüstung der Feuerwehr durch die Anschaffung eines Fahrzeuges vom Typ LF 16 und der Erweiterung des Magazins zu verbessern. Dem gaben die Kommunalpolitiker auch statt.

1965 wurde das neue Löschfahrzeug übergeben, für das die Gemeinde hatte 70000,- Mark investieren müssen. Indes wurde damals immer mehr darauf gedrungen, für die recht groß gewordene Gemeinde doch bald ein modernes Alarmsystem zu installieren - die Sirene erwies sich als nicht zweckmäßig. Während die Feuerwehr 1967 ihre lang erwartete 18 Meter hohe Maschinenleiter erhielt, musste sie auf die im selben Jahr angekündigten Feuermelde-Alarmeinrichtungen recht lange warten. Erst 1971 wurden die UKW-Meldeempfänger bei den Neuhäuser Wehrmännern eingeführt.

Einer der größten Einsätze fiel in das Jahr 1967. Auf der Autobahn, unweit von Neuhausen, war am 31. Mai ein englischer Reisebus verunglückt. Zwölf Tote und 30 Verletzte hatte der Unfall gefordert, bei dem die Neuhäuser Wehr einen großen Teil der Rettungsarbeiten tragen musste. Vom damaligen englischen Botschafter in Bonn, Sir Frank Roberts, wurde bei der Dankfeier in Esslingen betont, der Einsatz sei weit über das „Selbstverständliche“ hinausgegangen. Verbessert wurde auch der Kenntnisstand der Feuerwehrmänner. Dies dokumentierte sich erstmals am 1. Juli 1967 beim Kreisfeuerwehrtag in Deizisau erfolgreich an einem Leistungswettkampf. 1968 lebte übrigens ein altes Feuerwehrproblem, das schon in den 20er Jahren für viele Diskussionen und schließlich gar für die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr gesorgt hatte, wieder auf. Bei einer Versammlung, am 11. Mai, war „Feuer unter dem Dach“, nachdem die Gemeinde ihre Absicht bekundet hatte, die Feuerwehrabgabe abzuschaffen. Das Problem konnte dann später gelöst werden.

Am 17. August 1969 zeigte sich, wie notwendig die Umstellung auf ein modernes Alarmsystem war.Bei einem Großbrand auf dem Aussiedlerhof von Hugo Müller - es entstand 100000 Mark Schaden - fiel die Sirene aus, eine „peinliche Sache“, wie damals Kommandant Bolz meinte. Abhilfe wurde dann 1971 mit der Anschaffung der neuen Meldeempfänger geschaffen. 1969 am 11. Oktober konnten die Feuerwehrkameraden erstmals im eigenen Haus feiern. Das neue Feuerwehrheim war fertig geworden und wurde festlich eingeweiht. Zu drei großen Bränden musste die Feuerwehr 1971 ausrücken. Es brannte im Horber Wald, Hochwasser trat auf und im Anwesen Rank brannte die Scheune ab.

Im Frühjahr 1972 brannte dann das sogenannte „Braune Haus“, wobei sich arge Misslichkeiten zeigten. Die Maschinenleiter war zum einen beschädigt und konnte zum anderen aus Platzgründen nicht im Magazin untergebracht werden. Bei einem Gespräch mit der Gemeindeverwaltung wurde deshalb lebhafte Kritik an der „mangelhaften Unterbringung“ der Maschinenleiter geäußert. Gleichwohl war die Atmosphäre längst nicht mehr so geladen wie bei den Vätern - die Feuerwehrmänner gingen zum Alltag über. So wurde am 2. März 1973 in der Faschingshochburg Neuhausen, der erste Kappenabend im Feuerwehrheim gefeiert - 45 Aktive sind übrigens zu dieser Zeit in der Wehrstatistik verzeichnet.

Geübt wird 1973 bei der Firma Stahl, wo Kreisbrandmeister Spieth die unzureichende Wasserversorgung bemängelt, eine Tatsache, die später einmal große Bedeutung erhalten sollte.1973 brannte auch ein Wohnhaus in der Esslinger Straße ab. Es entstand ein Sachschaden von 150.000 Mark. Am 15. Februar 1975 ist die „Ära Bolz“ zu Ende. 40 Jahre ist Karl Bolz im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen gestanden davon 27 Jahre als Kommandant. (Die übrigen Wehrführer, insgesamt 9, teilen sich die restlichen 73 Jahre der Wehrgeschichte). Kreisbrandmeister Spieth würdigte seine Leistung für die Sache der Feuerwehr und sichtbar wurde dies auch darin, dass Bolz zum Ehrenkommandanten ernannt wurde. Von de Wehr wurde Alfred Lang als Kommandant und Helmut Fay als Stellvertreter gewählt. Im Mai 1975 konnten sich dann bei einem ersten „Tag der offenen Tür“ die Bürger der Gemeinde davon überzeugen, was die Feuerwehr auszeichnet.

 Am 26. Februar 1976 erlebte die Wehr dann ihre größte Bewährungsprobe. Das in die Deutsche Brandgeschichte eingegangene Großfeuer auf dem Gelände der Firma Thyssen-Stahl-Aufzüge wütete über Stunden. Aber die Wehrmänner aus Neuhausen sowie zahlreiche Wehren aus dem Umkreis schafften es dennoch, den Brand einzugrenzen. Behindert wurde man dabei von den widrigen Wasserverhältnissen; der Wasserdruck aus dem Hydranten, der auf dem Firmengelände installiert ist, erwies sich als zu gering. Das Löschwasser wurde deshalb hauptsächlich aus dem Fleinsbach bezogen. Nach rund 5 Stunden war der Großbrand jedoch unter Kontrolle. Der Schaden belief sich auf 60 Millionen Mark. Bei der Hauptversammlung der Feuerwehr, kurz nach dem „Stahl-Großbrand", konnten die Wehrmänner erstmals den neuen Bürgermeister Werner Präg begrüßen.

Und der „Schultes“ führte sich auch gleich gut ein. Er bestätigte den Wehrmännern, dass zur optimalen Brandbekämpfung auf eine bessere Ausstattung der Wehr nicht verzichtet werden könne. Bei der Sitzung wurde auch konkret angepeilt, wie die Neuhäuser Wehr stärker gemacht werden könne. Es wurde die Anschaffung eines TLF 16 vorgeschlagen. Dabei ist es erfreulicherweise nicht geblieben. Im Jahr des 100 jährigen Jubiläums (1978) hat die Wehr nicht nur dieses große Tanklöschfahrzeug erhalten, das bis heute noch im Dienst ist, sondern dazu auch einen VW-Bus als Mannschaftswagen . Immerhin hat sich bereits bestätigt, wie notwendig es ist, über eine gute Ausrüstung zu verfügen. In den vergangenen zwei Jahren musste die Wehr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, angefangen von einem Klassenzimmerbrand in der Mozartschule kurz vor Weihnachten 1976 über Einsätze bei Großunfällen auf der Autobahn bis hin zu einem Wohnhausbrand im November 1977 in der Wagnerstraße.

Im März 1977 fiel im Ausschuss erstmals das Wort "Vandans". Durch gute Kontakte von Kommandant Alfred Lang zu den Führungskräften der Feuerwehr des kleinen Ortes Vandans im Montafon in Österreich wurde angeregt, man könne doch eine Art "Partnerschaft" mit der dortigen Wehr eingehen. Nicht nur die Ausschussmitglieder waren von diesem Gedanken begeistert. Somit wurde beschlossen, die gesamte Feuerwehr von Vandans zum 100 jährigen Jubiläum einzuladen.

Das Jahr 1978 war ein ganz besonderes Jahr für die Feuerwehr. Denn es wurde von 5.8. - 7.8. das 100 jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen gefeiert.  Nach fast einem Jahr Vorbereitungszeit wurde dann am Mittwoch den 2. 8. das Festzelt auf dem Festplatz aufgebaut und in den nachfolgenden Tagen eingerichtet. Die ersten Gäste, die am Samstag 5.8. eintrafen, waren die Feuerwehrkameraden aus Vandans mit ihren Partnern. Zum Festauftakt wurde dann das neue TLF 16 und der VW Mannschaftstransportwagen von Bürgermeister Werner Präg an die Wehr übergeben. Nach der Übergabe wurde das neue Fahrzeug sogleich bei einer Schauübung im "Einsatz" gezeigt. Am Abend wurde durch den Spielmannszug ein bunter Abend unter dem Moto "Wasser marsch" eröffnet, bei dem die örtlichen Vereine ihr Geschick im Umgang mit dem nassen Element unter beweis stellen durften. Am Sonntag wurde bei einem Feldgottesdienst auch dien neue Fahne der Feuerwehr eingeweiht. Am Nachmittag gab des dann einen großen Festzug durch die Straßen von Neuhausen. Am Sonntagabend wurden die zahlreichen Gäste dann von der Stimmungskapelle Kurt Rau prächtig unterhalten. Am Montag heiß es dann nochmals "Wasser marsch" denn Petrus hatte seine Himmelsschleusen geöffnet und das im Stadion geplante Kinderfest musste kurzerhand in das Festzelt verlegt werden. Den Festausklang bildete ein Bunter Abend mit vielen bekannten Künstlern.
 

 

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