Historie der
Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen a.d.F
von 1878 bis 1978
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Als am 22. Oktober 1878 30 Männer in den Neuhausener Rathaussaal kamen, um ihre Bereitschaft anzuzeigen, bei der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen, war das keine Pioniertat: Längst gab es im Umkreis Freiwillige Wehren, während die Neuhausener im Brandfall darauf vertrauen mussten, dass es gelinge, die „Pflichtigen“ Wehrmänner auch wirklich zusammenzutrommeln. Diesen unbefriedigenden Zustand erkannten nicht nur der damalige Bezirksfeuerlöschinspektor, sondern auch Bürger der Gemeinde: Schultheiß Gustav Beron konnte im Verein mit Oberlehrer Grimm, dem Kaufmann Balluff und dem Baurat Fischer etliche Männer überzeugen, dass es allemal besser und ehrenvoller sei, freiwillig zur Spritze zu greifen, als jedes Mal das Risiko einzugehen, dass die Brandbekämpfung schon daran scheiterte, dass kein „Pflichtiger“ aufzutreiben war. Jedenfalls: Alle 30 Erschienenen, so verzeichnet die erst im nachhinein, im Jahre 1905 angelegte Chronik, traten spontan in die Feuerwehr ein. Als Kommandant wählten sie den Maurermeister Josef Maier, ein Mann, der durch seinen Beruf prädestiniert für den Posten war.
Im ersten Führungskader der Freiwilligen
Feuerwehr waren außerdem vertreten:
Der Zimmermeister
Maier, der Hirschwirt Kail, der Rößleswirt Fritton, Josef Fuchs und der Lehrer
Nieder. Ein wichtiger Posten war auch der des Hornisten, von denen in der
mit wenig Systematik geschriebenen Feuerwehrchronik der Bockwirt
Schmid genannt ist. Als die Personalien
geklärt waren, begann die Feuerwehr mit dem, was ihr damals offenbar als
wichtige Voraussetzung für den Kampf gegen den „Roten Hahn“ erschien: Es wurde
exerziert. Das klappte wunschgemäß, wenn auch der
damalige Chronist tadelnd vermerkt, dass es in den Reihen der Wehr Leute
gäbe, „die sich keiner Disziplin fügen wollen“. Aber auch für die Ausstattung
wurde etwas getan: Eine Spritze, übernommen von der Pflichtfeuerwehr war schon
da; dazu wurde eine zweite erworben und örtliche Handwerksmeister fertigten
Hilfsgeräte.
1906 war ein wichtiges Jahr für die Feuerwehr.
Es galt zum einen, einen großen Brand im Dachstock des Anwesens von Josef Herzog
zu löschen, zum anderen begann in Neuhausen die „moderne Zeit“. Der Gemeinderat
entschloss sich zum Bau einer Wasserleitung, ein Umstand, der für das
Feuerlöschwesen geradezu eine Revolution bedeutete. Bisher musste man entweder
darauf vertrauen, dass es in der Nähe eines Bachs brannte, oder das Löschwasser
musste höchst umständlich in Bottichen herantransportiert werden. Jetzt übten
die Wehrmänner an Hydranten und als 1906 der Feuerwehrinspektor Blessing in den Ort kam, fiel seine Anregung, doch wieder die
Kommandant wurde Robert Moser,
Adjutant Gebhardt Balluff. Die beiden schafften es, dass bald die Atmosphäre
wieder ruhiger wurde. Schon am 15. April wurde die Freiwillige Feuerwehr wieder
gegründet und die beiden Pflicht-Kommandanten in ihren Ämtern bestätigt. Der Feuerwehrfriede war
auch notwendig. Immerhin stand
In den folgenden Jahren blieb es
ruhig in der Gemeinde. Berichtenswert erschienen den Schriftführern lediglich
Ereignisse, wie die Visitation durch den Feuerlöschinspektor Gänzle oder ein
Feuerwehrball, der am 28. Februar 1928 im „Ochsen“-Saal stattfand.
1936, nach etlichen ruhigen
Jahren, investierte die Gemeinde kräftig in ihre Feuerwehr. Es wurde
1937 wurde auch ein neuer
Kommandant gewählt. Albert Maier, der den Titel „Oberbrandmeister“ erhielt. Der
Kommandant befand, dass der Feuerwehr musikalische Unterstützung gut tun würde.
Er beauftragte Eugen Ernst mit dem Aufbau eines Spielmannszuges, für den als
Grundlage
1942 war der Krieg längst nach Deutschland hereingetragen
worden und der Stuttgarter Raum geriet unter den Beschuss der alliierten
Streitkräfte. Am 21. November 1942 mussten Neuhausens Wehrmänner nach
Echterdingen ausrücken; der Ort brannte nach einem Fliegerangriff. Dazwischen
wurde es jedoch wieder ein wenig menschlich. So notiert die Chronik am 17.
Januar 1943 einen Kameradschaftsabend, bei dem es ein Essen und Freibier gab,
„richtig friedensmäßig“, wie der Schriftführer Ruf erfreut notierte. Abseits vom
Kriegsgeschehen brannte es am 29. Januar 1944 in der Bahnhofstraße in Neuhausen.
Eine Frau hatte ein Wohnhaus in Brand gesetzt und hernach Selbstmord begangen.
Am 21. Februar 1944 musste die Löschtruppe aus Neuhausen nach Stuttgart eilen;
der Marktplatz war bombardiert worden, zahlreiche Geschäfte standen in Flammen.
Der Einsatz ging den ganzen Tag. Gerettet werden konnte nicht viel.
Am 2. und 3. März
1944 war Neuhausen dran. Über dem Ort wurden viele Bomben abgeworfen, etliche
landwirtschaftliche Anwesen brannten, am schlimmsten war die hintere Mühle
betroffen. Unter Aufbietung aller Kräfte gelang es schließlich jedoch, die
Katastrophe in den Griff zu bekommen. Der letzte Kriegseinsatz war dann am
15./16. März 1944 in Echterdingen; „Es brannte an allen Ecken und Enden“,
vermerkt der Chronist, wobei die Wasserversorgung durch die Zerstörung der
Leitungen fast unlösbar war.
Am 24. 8. 1945,
nach dem Sturz des Hitler-Regimes, begann auch für die Neuhäuser Feuerwehr eine
neue Ära. Die bisherigen Kommandanten
Albert Maier und Paul Maier traten aus „geschäftlichen und politischen Gründen“
zurück und die Wehr konstituierte sich neu. Der kommissarische Bürgermeister
Hermle eröffnete den Wehrmännern, dass sofort ein neuer Feuerwehrchef zu wählen
sei - die Militärregierung verlangte die Einsatzbereitschaft und Erhaltung der
Wehren per Gesetz. Gewählt wurde daraufhin zum Oberbrandmeister Otto Fuchs, zu
seinem Stellvertreter, Anton Bauer.
Von größeren Feuern blieb der Ort
zu dieser Zeit verschont, jedoch wurde die Neuhäuser Wehr, die neun Kameraden im
Krieg verloren hatte, immer wieder zu Großbränden nach auswärts gerufen. Auch
geübt wurde fleißig und die Ausrüstung verbessert und erneuert. So wurden unter
anderem 52 Mützen angeschafft, die für 1,60 DM Eigentum der Wehrmänner wurden.
1953 erlebte die Wehr wieder
einen Kommandantenwechsel. Otto Fuchs verzog nach Stuttgart und gab sein Amt
deshalb ab. Karl Bolz, bisher bereits Stellvertreter, übernahm die Führung.
Ein bedeutsamer Tag für die
Feuerwehr war dann der 26. Oktober 1956.
Zu kurz kommen ließen die Männer
während dieser Zeit, in der Krieg und die nachfolgende Notzeit immer mehr in
Vergessenheit geriet, aber nicht die Pflege der Kameradschaft. Ausflüge wurden
unternommen, am 22. Juni 1958 erstmals mit dem neuen Feuerwehrfahrzeug nach Bünzwangen. Gesorgt wurde auch für die jungen Leute, die zur Bundeswehr
einrücken mussten. Aus der Kameradschaftskasse gab's für jeden 30 Mark. 1960 war
die Neuhäuser Wehr zu Gast beim 100 jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr
in Backnang. Der Spielmannszug, dirigiert vom Bürgergarde - Batailloner Willi
Balluff spielte bei diesem Fest erstmals unter neuer Regie auf. Wie fest
integriert die Feuerwehr schon damals in den Kreisverband war, bewies 1961 die
Tatsache, dass Kommandant Bolz als Fahnenträger für die neue Kreisfahne bestimmt
wurde, die beim Kreisfeuerwehrtag in Plochingen vom Landkreis übergeben worden
war.
1962 hatte die Feuerwehr wieder einen größeren Brandfall zu bestehen. Im Sulzbachtal
brannten mehrere Hektar Jungkulturen. Nach einer Stunde gelang es, den Brand
einzudämmen. Es zeigte sich freilich, dass das Feuerwehrlöschgruppenfahrzeug LF
8 längst nicht mehr den Anforderungen entsprach, die man an moderne Löschwagen
stellte. So wurde 1963 gegenüber dem Gemeinderat und dem Bürgermeister Frick der
Wunsch geäußert, die Ausrüstung der Feuerwehr durch die Anschaffung eines
Fahrzeuges vom Typ LF 16 und der Erweiterung des Magazins zu verbessern. Dem
gaben die Kommunalpolitiker auch statt.
Einer der größten Einsätze fiel
in das Jahr 1967. Auf der Autobahn, unweit von Neuhausen, war am 31. Mai ein
englischer Reisebus verunglückt. Zwölf Tote und 30 Verletzte hatte der Unfall
gefordert, bei dem die Neuhäuser Wehr einen großen Teil der Rettungsarbeiten
tragen musste. Vom damaligen englischen Botschafter in Bonn, Sir Frank Roberts,
wurde bei der Dankfeier in Esslingen betont, der Einsatz sei weit über das
„Selbstverständliche“ hinausgegangen. Verbessert wurde auch der Kenntnisstand
der Feuerwehrmänner. Dies dokumentierte sich erstmals am 1. Juli 1967 beim
Kreisfeuerwehrtag in Deizisau erfolgreich an einem Leistungswettkampf. 1968
lebte übrigens ein altes Feuerwehrproblem, das schon in den 20er Jahren für
viele Diskussionen
und schließlich
gar für die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr gesorgt hatte, wieder auf. Bei
einer Versammlung, am 11. Mai, war „Feuer unter dem Dach“, nachdem die Gemeinde
ihre Absicht bekundet hatte, die Feuerwehrabgabe abzuschaffen. Das Problem
konnte dann später gelöst werden.
Am 17. August 1969
zeigte sich, wie notwendig die Umstellung auf ein modernes Alarmsystem war.Bei einem Großbrand auf dem
Aussiedlerhof von Hugo Müller - es entstand 100000 Mark Schaden - fiel die
Sirene aus, eine „peinliche Sache“, wie damals Kommandant Bolz meinte.
Im Frühjahr 1972 brannte dann das sogenannte „Braune Haus“, wobei
sich arge Misslichkeiten zeigten. Die Maschinenleiter war zum einen beschädigt
und konnte zum anderen aus Platzgründen nicht im Magazin untergebracht werden.
Bei einem Gespräch mit der Gemeindeverwaltung wurde deshalb lebhafte Kritik an
der „mangelhaften Unterbringung“ der Maschinenleiter geäußert. Gleichwohl war
die Atmosphäre längst nicht mehr so geladen wie bei den Vätern - die
Feuerwehrmänner gingen zum Alltag über. So wurde am 2. März 1973 in der
Faschingshochburg Neuhausen, der erste Kappenabend im Feuerwehrheim gefeiert -
45 Aktive sind übrigens zu dieser Zeit in der Wehrstatistik verzeichnet.
Geübt
wird 1973 bei der Firma Stahl, wo Kreisbrandmeister Spieth die unzureichende
Wasserversorgung bemängelt, eine Tatsache, die später einmal große Bedeutung
erhalten sollte.1973 brannte auch ein Wohnhaus in der Esslinger Straße ab. Es
entstand ein Sachschaden von 150.000 Mark. Am 15. Februar 1975 ist die „Ära Bolz“
zu Ende. 40 Jahre ist Karl Bolz im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen
gestanden davon 27 Jahre als Kommandant. (Die übrigen Wehrführer, insgesamt 9,
teilen sich die restlichen 73 Jahre der Wehrgeschichte). Kreisbrandmeister
Spieth würdigte seine Leistung für die Sache der Feuerwehr und sichtbar wurde
dies auch darin, dass Bolz zum Ehrenkommandanten ernannt wurde. Von de Wehr
wurde Alfred Lang als Kommandant und Helmut Fay als Stellvertreter gewählt. Im Mai 1975 konnten
sich dann bei einem ersten „Tag der offenen Tür“ die Bürger der Gemeinde davon
überzeugen, was die Feuerwehr auszeichnet.
Und der „Schultes“ führte sich
auch gleich gut ein. Er bestätigte den Wehrmännern, dass zur optimalen
Brandbekämpfung auf eine bessere Ausstattung der Wehr nicht verzichtet werden
könne. Bei der Sitzung wurde auch konkret angepeilt, wie die Neuhäuser Wehr
stärker gemacht werden könne. Es wurde die Anschaffung eines TLF 16
vorgeschlagen. Dabei ist es erfreulicherweise nicht geblieben. Im Jahr des 100
jährigen Jubiläums (1978) hat die Wehr nicht nur dieses große
Im März 1977 fiel im Ausschuss
erstmals das Wort "Vandans". Durch gute Kontakte von Kommandant Alfred Lang zu
den Führungskräften der Feuerwehr des kleinen Ortes Vandans im Montafon in
Österreich wurde angeregt, man könne doch eine Art "Partnerschaft" mit der
dortigen Wehr eingehen. Nicht nur die Ausschussmitglieder waren von diesem
Gedanken begeistert. Somit wurde beschlossen, die gesamte Feuerwehr von Vandans
zum 100 jährigen Jubiläum einzuladen.
Das Jahr 1978 war ein ganz
besonderes Jahr für die Feuerwehr. Denn es wurde von 5.8. - 7.8. das 100 jährige
Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen gefeiert. Nach fast einem
Jahr Vorbereitungszeit wurde dann am Mittwoch den 2. 8. das Festzelt auf dem
Festplatz aufgebaut und in den nachfolgenden Tagen eingerichtet. Die ersten
Gäste, die am Samstag 5.8. eintrafen, waren die Feuerwehrkameraden aus Vandans
mit ihren Partnern. Zum Festauftakt wurde dann das neue TLF 16 und der VW
Mannschaftstransportwagen von Bürgermeister Werner Präg an die Wehr übergeben.
Nach der Übergabe wurde das neue Fahrzeug sogleich bei einer Schauübung im
"Einsatz" gezeigt. Am Abend wurde durch den Spielmannszug ein bunter Abend unter
dem Moto "Wasser marsch" eröffnet, bei dem die örtlichen Vereine ihr Geschick im
Umgang mit dem nassen Element unter beweis stellen durften. Am Sonntag wurde bei
einem Feldgottesdienst auch dien neue Fahne der Feuerwehr eingeweiht. Am
Nachmittag gab des dann einen großen Festzug durch die Straßen von Neuhausen. Am
Sonntagabend wurden die zahlreichen Gäste dann von der Stimmungskapelle Kurt Rau
prächtig unterhalten. Am Montag heiß es dann nochmals "Wasser marsch" denn
Petrus hatte seine Himmelsschleusen geöffnet und das im Stadion geplante
Kinderfest musste kurzerhand in das Festzelt verlegt werden. Den Festausklang
bildete ein Bunter Abend mit vielen bekannten Künstlern.
Am 16. Mai 1879 hatte die Feuerwehr erstmals
hohen Besuch: Landesfeuerwehrlöschinspektor
Großmann kam und äußerte sich recht anerkennend über die Leistungen der
jungen Wehr. Aber noch ein anderes, gewiss genau so aufregendes Ereignis wird
aus jener Zeit berichtet: Der hochwürdige Herr Oberkirchenrat von Schott
spendete der Kasse den damals gewaltigen Betrag von
300,- Mark – die erste Standarte wurde davon angeschafft. Am 6. Juli 1879
war deshalb ein großes Fest.
Ihre „Feuertaufe“, so der damalige Kommandant
Maier, erlebte die Wehr dann am 16. Dezember 1879. Beim Schuster Bolz in der
Seegasse brannte ein Anbau bis auf den Grundstock nieder. Die Wehrmänner mussten
bei 18 Grad minus deshalb zumindest versuchen, das Haupthaus zu retten. Das war
schwer: Alle Leitungen waren eingefroren, und die Spritze musste fortwährend mit
heißem Wasser aufgetaut werden, um sie wieder gebrauchsfähig zu machen. Vier
Jahre blieb Neuhausen von jeglichem Brand verschont; 1881 wurde einmal
„Nachbarschaftshilfe“ in Denkendorf geleistet. 1883 wurden die Wehrmänner wieder
alarmiert; es brannte in der Ziegelhütte Gugel in der
Kirchstraße; die Scheune brannte ab, den größeren Rest konnten die
Floriansjünger vor dem Feuer bewahren. Sie waren freilich auch besser
ausgerüstet als je zuvor. Der Wagnermeister Fuchs hatte eine Anstelleiter
gefertigt und die Gemeinde für ihre Wehr einen Wasserbehälter samt Wagen
angeschafft.
1884 kam es zum ersten Kommandowechsel. Nach dem Besuch des Feuerwehrtags in Heilbronn
legten Kommandant Maier, sein Adjutant Fuchs und der
Steigerleutnant Preißer ihre Ämter nieder. Die Feuerwehr - wahlberechtigt
war damals nur die Führungsgruppe der Zugführer - verpflichtete
Karl Kail als neuen Kommandanten und als
dessen Stellvertreter, Christian Walter.
Die Wahl erwies sich bald als überflüssig: der
württembergische König verfügte, die eben überall gegründeten Freiwilligen
Feuerwehren wieder abzuschaffen und statt dessen
Pflichtfeuerwehren einzurichten. Dies geschah natürlich auch in Neuhausen
- der majestätischen Weisung, ob weise oder nicht, mochte sich niemand
entgegenstellen. Indes blieb die freiwillige Steigerabteilung
erhalten, wohl auch, weil man sicher ahnte, dass ein „Pflichtmann“ sich gewiss
davor drücken würde, sein Leben in unmittelbarer Nähe eines Feuers auf der hohen
Leiter zu riskieren. Karl Kail blieb Kommandant. Er
war es auch, unter dessen Führung die Wehr vom königlichen Ministerium
öffentlich belobigt wurde.
Ausgerechnet die
Neuhäuser waren's nämlich, die bei einem Großbrand 1887 in
Scharnhausen als erste am Brandplatz waren. Im selben
Jahr, am 17. September, wurde dann noch einmal alles von den
Spritzenmännern abverlangt. Die Doppelscheuer vom Bauer Lang
und der Farrenstall brannten fast 24 Stunden
lang und ebenso lange war die Wehr am Brandplatz, was
Kommandant Kail zur Bemerkung veranlasste, dass sich die „Feuerwehr hier ihren
Namen verdient hat“.
Der „verdienten Feuerwehr“ unterliefen
allerdings auch Missgeschicke. Als man zum Beispiel 1889 nach Wolfschlugen fuhr,
wo man bei einem Brand eingreifen sollte, brach auf dem Verbindungsweg zwischen
beiden Dörfern der Steigerwagen zusammen. 1889 musste Karl Kail seinen
Kommandantenhut nehmen; das Oberamt bestätigte seine Wiederwahl nicht. Aus
welchen Gründen, ist in der Chronik nicht verraten. Franz Bauer wird neuer Chef der
Pflichtfeuerwehr, die alle Männer im wehrfähigen Alter an die Spritze rufen
kann.
Aber auch Bauer blieb nicht lange - er wurde
schon 1894 durch den Schreiner Josef Fuchs abgelöst. 1903, zum 25 jährigen
Bestehen konnte dieser immerhin feststellen, dass der Ruf der
Wehr schon so weit
reiche, dass man oft nach auswärts gerufen werde,
weil die Neuhäuser Feuerwehr allgemein als „tüchtig“ gelte. 1905
vermeldete Fuchs stolz einen Geschwindigkeitsrekord. Nachdem man per Telefon
nach Wolfschlugen gerufen wurde, war man bereits eine halbe Stunde später auf
dem Brandplatz. Damals erhielt die Wehr übrigens ihre erste, von Hand zu
bedienende Saugdruck-Spritze.
Feuerwehr auf freiwilliger Basis zu gründen, auf fruchtbaren Boden. Im November
war es dann so weit. Landesfeuerlöschinspektor Gmehlin kam zu einer Versammlung
in den „Saalbau Fuchs“ und erklärte, was notwendig sei, um wieder den
Status „Freiwillige Feuerwehr“ erhalten zu können. Er forderte 100 Freiwillige,
drei Hydrantenwagen und eine Spritze. Die Technik war
vorhanden und die notwendigen Leute meldeten sich- dazu wurde noch eine
Schiebeleiter, Fabrikat Magirus und Lieb, angeschafft.
Die neue Freiwillige Feuerwehr
wurde am 14. April 1907 offiziell eingetragen und als Kommandant fungierte
weiter Josef Fuchs, und Christian Walter blieb Adjutant. Schon 1908 konnte Fuchs
vermelden, dass „unsere Feuerwehr gut ausgerüstet dasteht“. Dazu gehörte nicht
nur die Anschaffung von 35 neuen Uniformröcken, sondern auch der Umstand, dass
wegen des entlegenen Spritzenhauses im
Ort, drei Hydrantenstationen gebaut wurden, um schnell eine Brandstelle
erreichen zu können. 1909 zeigte dann der Kommandant Fuchs Rücktrittsabsichten;
seinen Wehrmännern vertraute er an, dass 25 Jahre Feuerwehrdienst und 16 Jahre
Kommandantentätigkeit doch wohl lange genug seien.
Indes blieb Fuchs noch, bis er 1911 endgültig
mit seinem Adjutanten Walter ausschied. Übrigens nicht, ohne zu vergessen, einen
dreifachen Hochruf auf „unseren gnädigsten Landesvater König Wilhelm“
auszubringen. Bei den notwendigen Neuwahlen gab's Schwierigkeiten. Ein
Namensvetter des bisherigen Kommandanten, Josef Fuchs, wurde vom Gemeinderat
nicht als Wehrführer bestätigt, weil er auswärts wohnte. Bei den darauf
folgenden Neuwahlen wurde dann Anton Lang neuer Kommandant, Anton Mayer
Stellvertreter. Von der Gemeinde erhielt die neue Wehr die Zusicherung, man
werde künftig pro Jahr 100 Mark aus der
Kommunalkasse zur Pflege der Kameradschaft zuschießen und ebenfalls 1911 wurde
beschlossen, Mitgliedern, die zur Musterung gingen, eine Mark zu spendieren.
Nach wenig ereignisreichen Jahren, traf 1914
die große Politik auch das kleine Dorf Neuhausen.
Der erste Weltkrieg brach aus.
Fast alle Mitglieder des Kommandos mussten die Feuerwehrspritze mit der Waffe
vertauschen. Noch im Oktober, kurz nach Kriegsausbruch, erreichte die
Zurückgebliebenen eine Trauernachricht. Die Wehr hatte ihren ersten Gefallenen,
Otto Müller, zu verzeichnen. 1915 wurde dann beschlossen, den Kameraden im Felde
Liebesgabenpakete zu schicken. Ins Feld musste in diesem Jahr, in dem man auch
einen Brand beim Privatier Karl Josef Ruf in der Kirchstraße zu löschen hatte,
auch Kommandant Anton Lang und sein
Adjutant - die
führungslose Wehr behalf sich, indem sich noch einmal das bewährte Gespann
Fuchs/Walter kommissarisch als Wehrführer bestellte, die bereits 17 Jahre an der
Spitze gestanden hatten.
In der Heimat ereignete sich
freilich nicht allzu viel und 1917 notierte gar der Wehr-Schriftführer:
„Das
Jahr war für die Feuerwehr ein untätiges“. Eine schwere Zeit begann für die
Freiwillige Feuerwehr nach dem Krieg. Auf den Fildern bemerkte man die
politischen und vor allem wirtschaftlichen Folgen - der zurückgekehrte
Kommandant Lang klagte jedenfalls 1919, dass „infolge der Revolution niemand
sich mehr unters Kommando ordnen will“, und dass schleunigst Abhilfe geschaffen
werden müsse. Vom Schultheißenamt kam keine Unterstützung, wie Lang erbittert
vermerkt „und so muss alles beim alten bleiben“. Den Gemeindeoberen war die Wehr
damals zusätzlich gram, weil die erste Besichtigung nach dem Krieg durch den
Feuerlöschinspektor Hornung ohne Vorbereitung stattfinden musste. Kommandant
Lang machte für ein mögliches Misslingen der Schau sofort die Verwaltung
verantwortlich, aber es war dann doch halb so schlimm. Der Wehr gelang eine
Übung, „die in allen Teilen als gelungen zu bezeichnen ist“.
Der Kleinkrieg mit der
Kommunalverwaltung ging indes munter weiter. Als ins
Gerätehaus neben die Spritze und die Steigleiter der Ortsleichenwagen
gestellt wurde, nannte Kommandant Lang dies „einen Unfug“ und protestierte.
Schultheiß Haas reagierte jedoch nicht. Im gleichen Jahr drohte Lang mit der
Amtsniederlegung und seine Männer mit der Einstellung ihrer Übungen. Ihnen
missfiel, dass die Feuerwehrabgabesatzung überhaupt nicht geregelt war, und die
Gemeinde Nichtdienende nicht veranlagte. 1921 wurde jedoch mit dem neuen
Amtsverweser Volk und dessen Nachfolger, eine Einigung erzielt; es wurden Listen
angefertigt, die die Grundlage bildeten, von Nicht-Wehrmännern wieder
Zwangsbeträge zu verlangen. Friedlich blieb's freilich nicht: Im selben Jahr
schrieb ein Gemeinderat einen Leserbrief im „Filderanzeiger“ und berichtete
darin wenig Rühmliches über die Wehr. Diese fröne mehr der Kurzweil als der
Brandbekämpfung, lasen die Filderbewohner damals. Das wollten die Wehrmänner
nicht auf sich sitzen lassen. In einer turbulenten Feuerwehrversammlung wurde
nicht nur die Rücknahme der Vorwürfe verlangt, sondern auch gefordert, der
Ratsherr möge der Wehr auch gleich noch 300 Mark als Sühnegeld zukommen lassen.
Werde diese Forderung nicht erfüllt, stelle die Freiwillige Feuerwehr ihre
Tätigkeit zum l. März 1922 ein.
So kam's dann auch: Weder nahm
der nach Ansicht der Feuerwehr lügenhafte Ratsherr seine Anschuldigung zurück,
die mittlerweile auch von anderen Männern des Ratsgremiums geteilt wurde, noch
wurde die Eintreibung von der Gemeinde ernsthaft betrieben. Am 3. März
beurkundete, so zeigt's die Chronik, der Schultheiß die Auflösung der
Freiwilligen Feuerwehr und im Juni wurde dann - zum zweitenmal in der Geschichte
- wieder eine Pflichtfeuerwehr gegründet.
das 50er Jubiläum bevor, das am 1. Juli 1928 mit
viel Musik und Begeisterung gefeiert wurde. Gleichzeitig war auch der
Bezirksfeuerwehrtag nach Neuhausen verlegt worden, und erstmals konnten die
Bürger bewundern, was eine moderne Wehr ausmacht. Die „Weckerlinie Esslingen“
war zu Gast mit ihrer Motorspritze. 1929 verzeichnet die Wehrgeschichte wieder
zwei größere Brände.
Am 10. Juli wurde, so heisst's
in der Chronik, die Einwohnerschaft in Aufregung versetzt. Vier Gebäude standen
in hellen Flammen. Die Feuerwehr, die die Weckerlinie Esslingen zu Hilfe holen
musste, konnte die Gebäude von Theresia Lang in der Marktstraße sowie das Wohnhaus und die Scheuer von Friedrich Kranich
nicht retten; lediglich das Haus Mayer 2 wurde gerettet. Wie es zum Brand
gekommen war, konnte man sich schnell zusammenreimen. Es handelte sich offenbar
um Brandstiftung, die freilich endgültig nie aufgeklärt worden ist. Am 16.
Dezember brannte die Scheune vom Badmeister Eisele vollständig ab und die
Feuerwehrleute hatten größte Mühe bei den Löscharbeiten. Das Publikum zeigte, so
hat's der damalige Kommandant Moser notiert, einen argen Mangel an
Hilfsbereitschaft und behinderte die Feuerwehr bei den Löscharbeiten.
nicht nur
das neue Gerätemagazin eingeweiht, sondern die Feuerwehr erhielt auch ihre erste
Motorspritze. Auch das Beförderungsproblem
wurde geregelt. Der Unternehmer Anton Eisele wurde verpflichtet, mit seinem
Lastkraftwagen die Spritze und Mannschaft zu befördern.
bereits Hornisten und Tamboure vorhanden waren. Der Spielmannszug
wurde bald populär und gestaltete vor allem nach Kriegsende ein großes
Feuerwehrtreffen in Kemnat (1951). Die Feuerwehr wurde, so wollten's die
nationalsozialistischen Machthaber, wieder einmal umkonstruiert. Sie hieß seit
1940 „Feuerlöschpolizei“ - ein Titel, der freilich im mittlerweile
ausgebrochenen Krieg und seinen Wirren unterging. Der Krieg prägte bald auch die
Tätigkeit der Feuerwehr. Immer mehr Kameraden mussten an die Front und 1940
wurden bereits drei gefallene Wehrmänner verzeichnet. Die „Hitlerjugend“ wurde,
um die Feuerwehr nicht völlig funktionsunfähig werden zu lassen, für den Dienst
mit der Spritze gegen das Feuer mobilisiert. Eine starke Feuerwehr erwies sich
freilich auch als bitter notwendig.
1946 stiftete die Firma Balluff
der arg angeschlagenen Wehr, der im Krieg immer wieder
viel abgefordert worden war, eine zweite Motorspritze und Schlauchmaterial. Auch
der Alltag begann wieder. So traf man sich im Mai 1948 zu einem
Kameradschaftsabend, der für die damalige Zeiten zu einem kulinarischen Erlebnis
wurde. Es gab, dank gespendeter Eier und Mehl, sowie zusammengeworfener 10
g-Fettmarken, Spätzle mit Soße und Salat. Den Most brachten die Männer selbst
mit. Und ein Jahr zuvor, am 18. Mai 1947, hatte gar im Saalbau bereits eine
große „Frühjahrs-Unterhaltung“ stattgefunden, bei der die Tanzkapelle Erwin
Fuchs und die Spielgruppe der Feuerwehr Musik machten und sich auch der Humorist
Albert Hofele produzierte.
1953
hatte die Feuerwehr 75 jährigen Geburtstag. Höhepunkt der Feier war eine
Hauptübung in Anwesenheit von Kreisbrandmeister Ertinger, Landrat Geist und
Bürgermeister Frick. „Gefeschtet“ wurde mit den Ehrengästen anschließend im
„Saalbau“. Zu
diesem Zeitpunkt zählte die Feuerwehr übrigens 43 Aktive. 1954
übte die Feuerwehr im großen Rahmen an der Klosterschule und musste dabei
feststellen, dass das Schlauchmaterial in katastrophalem Zustand sei. Abhilfe
wurde von der Gemeinde versprochen (und später auch erfüllt). Am 16. Januar 1955
musste die Feuerwehr beweisen, dass sie nicht nur im Kampf gegen das Feuer,
sondern auch gegen das nasse Element ihren Mann steht. Bei einer
Hochwasserkatastrophe waren zahlreiche Häuser überflutet und alte Neuhäuser
berichteten, dass den Ort noch nie ein so schlimmes Unwetter heimgesucht habe.
Den Wehrmännern gelang es jedoch, durch Ihren Einsatz „rund um die Uhr“
wenigstens Personenschaden zu vermeiden.
Bürgermeister Frick und
Kreisbrandinspektor Ertlinger konnten den Wehrmännern ihr neues
Löschgruppenfahrzeug LF 8 übergeben, das sogleich bei einer Großkreisübung
eingesetzt wurde. Für die Neuhäuser war dies damals übrigens das zweite
Motorfahrzeug. Das erste war 1948 ein Horch-Lastwagen, der als Mannschaftswagen
eingesetzt wurde. Größere Feuer blieben in dieser Zeit aus - obwohl es an
Einsätzen nicht mangelte. So wurden die Wehrleute 1956 zusammengerufen, weil es
im „Ochsen“ brennen sollte. Das war freilich nicht so. Dort hatten sich im
ersten Stock nur deshalb Rauchschwaden entwickelt, weil der Wohnungsinhaber
Kartoffeln in der Pfanne anbrennen ließ.
1965
wurde das neue Löschfahrzeug übergeben, für das die Gemeinde hatte 70000,- Mark
investieren müssen. Indes wurde damals immer mehr darauf gedrungen, für die
recht groß gewordene Gemeinde doch bald ein modernes Alarmsystem zu installieren
- die Sirene erwies sich als nicht zweckmäßig.
Während
die Feuerwehr 1967 ihre lang erwartete 18 Meter hohe Maschinenleiter erhielt,
musste sie auf die im selben Jahr angekündigten Feuermelde-Alarmeinrichtungen
recht lange warten. Erst 1971 wurden die UKW-Meldeempfänger bei den Neuhäuser
Wehrmännern eingeführt.
Abhilfe
wurde dann 1971 mit der Anschaffung der neuen Meldeempfänger geschaffen. 1969 am
11. Oktober konnten die Feuerwehrkameraden erstmals im eigenen Haus feiern. Das
neue Feuerwehrheim war fertig geworden und wurde festlich eingeweiht. Zu drei
großen Bränden musste die Feuerwehr 1971 ausrücken. Es brannte im Horber Wald,
Hochwasser trat auf und im Anwesen Rank brannte die Scheune ab.
Am 26. Februar 1976 erlebte die Wehr
dann ihre größte Bewährungsprobe. Das in die Deutsche Brandgeschichte
eingegangene Großfeuer auf dem Gelände der Firma Thyssen-Stahl-Aufzüge wütete
über Stunden. Aber die Wehrmänner aus Neuhausen sowie zahlreiche Wehren aus dem
Umkreis schafften es dennoch, den Brand einzugrenzen. Behindert wurde man dabei
von den widrigen Wasserverhältnissen; der Wasserdruck aus dem Hydranten, der auf
dem Firmengelände installiert ist, erwies sich als zu gering. Das Löschwasser
wurde deshalb hauptsächlich aus dem Fleinsbach bezogen. Nach rund 5 Stunden war
der Großbrand jedoch unter Kontrolle. Der Schaden belief sich auf 60 Millionen
Mark. Bei der Hauptversammlung der Feuerwehr, kurz nach dem „Stahl-Großbrand",
konnten die Wehrmänner erstmals den neuen Bürgermeister Werner Präg begrüßen.
Tanklöschfahrzeug
erhalten, das bis heute noch im Dienst ist, sondern dazu auch einen VW-Bus als
Mannschaftswagen . Immerhin hat sich bereits bestätigt, wie
notwendig es ist, über eine gute Ausrüstung zu verfügen. In den vergangenen zwei
Jahren musste die Wehr zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, angefangen von einem
Klassenzimmerbrand in der Mozartschule kurz vor Weihnachten 1976 über Einsätze
bei Großunfällen auf der Autobahn bis hin zu einem Wohnhausbrand im November
1977 in der Wagnerstraße.